Interview mit Jörkk Mechenbier von Love A

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Quelle: Love A

Love A ist eine Post-Punk-Band, die bekannt ist für ihre gesellschaftskritischen Aussagen. „Du lebst in einer Welt, in der es statt Inhalten nur Überschriften gibt“, eine Zeile aus dem Song „Windmühlen“, illustriert dies ganz gut. Der Sänger von Love A, Jörkk, war so nett, uns seine Sichtweise zur Meinungsfreiheit zu schildern.

LAML: Was ist Meinungsfreiheit für dich?

Jörkk: Meinungsfreiheit bedeutet für mich, dass ich, auf die Staatsform meiner Heimat bezogen, auch andere Regierungssysteme oder politische Ansichten als die „zu Hause“ angewandten bevorzugen kann, und dies auch kundtun darf, ohne Repressalien seitens des Staates oder der Regierung erwarten zu müssen. Kurz: Dass es mir erlaubt ist, mit den bestehenden Umständen unzufrieden zu sein, und dies auch publik machen zu können.

LAML: Wo fängt Meinungsfreiheit für dich an und wo hört sie auf?

Jörkk: Sie fängt da an, wo jemand den Gedanken einer eigenen Meinung fasst und ausspricht, und hört niemals auf. Selbst jemand, der sagt „Pädophilie sollte erlaubt sein!“, hat das Recht dazu. Oder muss es haben! Dass er es (zum Glück!) nicht umsetzen kann, also diesen meiner Ansicht und meinen moralischen Grundsätzen widersprechenden Wunsch nicht erfüllt bekommt, ist hierbei ja gesetzlich geregelt. Aber die Meinung, dass das seiner Meinung nach nicht verboten sein sollte, die muss er haben und auch artikulieren dürfen. Hierzu passt dann auch schön dieses Zitat, das Voltaire zugeschrieben wird, aber in Wahrheit auch von ihm lediglich anderswo geliehen wurde: „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“

LAML: Inwieweit setzt du dir, textlich gesehen, selbst Grenzen beim Musikmachen? Gibt es Tabus? Themen, die du nicht anschneiden würdest?

Jörkk: Nein. Darum geht es ja auch: Alles muss erlaubt sein – bzw. nein, nicht alles muss erlaubt sein, aber es muss erlaubt und möglich sein, alles auszusprechen, oder – besser – anzusprechen, was einen bewegt. Wenn es bisher ein Thema nicht in einen Text von mir geschafft hat, dann nur, weil ich persönlich noch nicht damit gerungen habe oder es bisher keine Rolle in meinem Leben gespielt hat.

LAML: Inwiefern lässt du dich von der Gesellschaft oder der Plattenfirma zensieren?

Jörkk: Gar nicht – darum geht es ja. Jan von Turbostaat hat das mal schön gesagt: „Man darf schon von der Liebe singen, auch als Punker – aber um nicht den Vorwurf gemacht zu bekommen, mit einem Lovesong zu versuchen, im Mainstream Gehör zu finden, muss man eben auch ein zwei Worte wie PISSE oder KOTZE im Refrain einbauen...“

LAML: Haben die Menschen heutzutage mehr Verständnis für explizite Meinungsäußerungen? Würdest du dir wünschen, es wäre anders – weniger Verständnis, mehr Verständnis?

Jörkk: Ich glaube schon. Also die Menschen sind, jeder für sich gesehen, sicher immer und vor allem immer noch, stets subjektiv – aber die Toleranz gegenüber einer objektiven Sichtweise – nicht die objektive Betrachtung der Themen, die einem selbst widerstreben, oder bei denen man eine entgegengesetzte Meinung vertritt – oder auch das Verständnis dafür, die Argumente der „Gegenseite“ zumindest objektiv zu prüfen, die scheint mir gewachsen zu sein...

LAML: Wie sind die Reaktionen zu auf verschiedenen Songs von dir, die eher kritischer Natur sind?

Jörkk: Im Allgemeinen gut, weil mein Publikum dankbarerweise entweder nicht zu denen gehört, die ich „anfeinde“, oder auf die ich subjektiv „eindresche“ – was bedeutet, sie stehen auf meiner Seite und nicken meine Kritik, die ja auch die ihre ist, ab – oder aber sie fühlen sich ertappt – Beispiel „Szenekritik“, wie auch Frau Potz oder Pascow das gerne mal haben, oder besser „hatten“... – und/oder kritisiert: Aber auch dabei sind die Reaktionen meist positiv, oder gar einsichtig, weil ich mich ja meistens mit in den Kreis der Kritisierten stelle – und nicht behaupte, das macht ihr alles scheiße und nur so wie ich das mache, ist es richtig – was ja der viel zitierte Zeigefinger wäre. Ich sage dann lieber: Ihr seid scheiße, oder das, was ihr da macht, das ist doof!, vergesse aber meistens (hoffentlich) nicht hinzuzufügen oder die Leute merken zu lassen, dass ich mich genauso zur Zielgruppe dieser Kritik zähle wie den Hörer.